Reale – gefühlte Sicherheit. Nachbetrachtung der Veranstaltung der FDP in Endingen.

Gut besucht war die Veranstaltung in Endingen zum Thema Sicherheit in der Kornhalle in Endingen.

Benjamin Strasser, Mitglied des Bundestages diskutierte mit den Polizeivertretern Uwe Oldenburg und Hans-Joachim Meyer, sowie Bruno Bösch vom „Weißen Ring“ sowie dem IT-Experten Nicolai Landzettel. Es zeige sich immer wieder, dass die Informationsweitergabe und Vernetzung der Sicherheitsdienste in Deutschland ungenügend sind, so Benjamin Strasser. Dies zeigt sich jetzt ganz klar bei der Aufarbeitung des Terroranschlages auf den Berliner Weihnachtsmarkt vom Jahr 2016. Relevante Informationen zum Attentäter wurden zwischen den Behörden nicht weitergeben. Jedes Landeskriminalamt hatte die Gefährdungssituation anders eingeschätzt und jetzt wird bei der Aufarbeitung des Anschlages die Verantwortung für die Überwachung des Attentäters immer hin und her geschoben. Die Polizeivertreter Oldenburg und Meyer können solche Probleme im Informationsaustausch und bei den Kompetenzen auch bei den Sicherheitsbehörden auf Landesebene bestätigen.

Der leitende Polizeidirektor Oldenburg erläuterte anhand der aktuellen Kriminalstatistik, dass im Kreis Emmendingen in den allermeisten Kriminalitätsfeldern ein Rückgang zu vermelden ist. Dies sei jedoch nur der objektiv messbare Bereich. Das Dunkelfeld nicht gemeldeter Kriminalität, sowie das subjektive Empfinden der Bürger kann einen anderen gefühlten Eindruck vermitteln. Die persönlichen Eindrücke von Bürgern und die direkten Auswirkungen als Opfer einer Straftat sind nach den Erfahrungen von Bruno Bösch teilweise traumatische Ereignisse. So komme es nach Wohnungseinbrüchen immer wieder vor, dass von diesen Taten betroffene Bewohner die Wohnung aufgeben und ausziehen.

Einen Zuwachs der Kriminalitätsfälle gibt es laut Oldenburg und Meyer im Landkreis beim sogenannten „Enkeltrick-Betrug“, bei dem ältere Menschen am Telefon so unter Druck gesetzt werden, dass diese hohe Geldbeträge an angebliche von den Enkeln beauftragte Personen oder falsche Polizisten aushändigen. Der Cyperkriminaltitätsexperte Nicolai Landzettel, wies auf den Umstand hin, dass bei Hackerangriffen Unternehmen keine Anzeige bei der Polizei erstatten. Die Angst vor Reputationsschäden und oft die Notwendigkeit sehr schnell bei solchen Angriffen zu reagieren, veranlassen viele Unternehmen, sich damit nicht an die Polizei zu wenden.

Die Themen Datenschutz und Videoüberwachung wurden diskutiert, dabei machte Benjamin Strasser klar, dass hier immer der Nutzen hinterfragt werden muss und es eine Überwachung um der Überwachung willen mit der FDP nicht geben kann. Auch der Polizist Hans-Joachim Meyer sieht allein im Ansammeln von Daten keinen ermittlungstechnischen Vorteil: Daten und Informationen müssen immer auch ausgewertet und zueinander in Verhältnis gesetzt werden. Dies kann zukünftig eventuell einmal unterstützend teilweise mit künstlicher Intelligenz (KI) durchgeführt werden, aber es müssen auch künftig immer ausgebildete Ermittler diese Informationen sichten und bewerten.
Nach über zwei Stunden angeregten Diskussionen und Fragen aus dem zahlreichen Publikum beendete Margarete Hansen als Moderatorin des Abends die Veranstaltung. Wir danken allen beteiligten Diskutanten und den bei der Organisation und dem Auf- und Abbau helfenden Händen für ihr Engagement.

Zu den Personen:
https://www.benjamin-strasser.de
https://ppfreiburg.polizei-bw.de/
https://weisser-ring.de/
https://www.data-sec.net


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