FDP Teningen / Review Webinar: „Gesundheit und Pflege im Stresstest“

Kommunale GesundheitAm 19.05. um 19.00h tauschten sich die Referenten (Referentin Karin Neumann kurzfristig entschuldigt) und Zuhörer über ihre bisherigen Erfahrungen mit der Corona Krise virtuell aus. Mit insgesamt 15 Teilnehmer*innen war der Austausch intensiv und die Zeit verging schnell. Die zentrale Frage des einstündigen Webinars konzentrierte sich auf die Umsetzung der Lockerungen unter strenger Einhaltung der Hygienemaßnahmen.
Kai Sonntag (im Krisenstab der KV Stuttgart) warnt hierbei vor „überbordender Bürokratie“. Martin Gutmüller (Einrichtungsleiter gerontopsychiatrisches Pflegezentrum Frbg. –Landwasser) beschäftigt die Frage, wie soll man Bewohner mit Demenz – die man gut über Körperkontakt erreichen kann – ihren Bedürfnissen entsprechend betreuen? und sieht daher die Lockerungen kritisch. Hier fehle es noch an passgenauen Konzepten für die Zielgruppe. Achim Ettwein (Einrichtungsleiter Kreisseniorenzentrum Kenzingen) bedauert, dass aus seinem vormals offenen Haus durch die reglementierten Besuchseinschränkungen und Hygienevorschriften atmosphärische Veränderungen eingetreten seien, die Bewohner*innen, Pflegepersonal u. Angehörige stark belaste. Hinzu käme der unglaubliche organisatorische Aufwand in der praktischen Anwendung der Schutzmaßnahmen, Zitat Achim Ettwein: „Wir, an der Basis, sollen es richten, wofür wir gar nicht ausgebildet sind“. Jochen Haußmann (Gesundheitspolitischer Sprecher der FDP/DVP Fraktion im Landtag) ist es wichtig, die Sorgen der Bewohner*innen u. Angehörigen mit den Interessen des Pflegepersonals in Einklang bringen.

Des Weiteren erfolgte eine Rückschau auf die bisher gemachten Erfahrungen in der Corona Krise. Kai Sonntag sieht die Einrichtungen und Arztpraxen mittlerweile gut versorgt mit Schutzausrüstung. Anfänglich herrschten, Zitat K. Sonntag: „Chaotische Zustände“, die KV musste in die Logistik einsteigen, es gab Probleme mit der Qualität der Masken u. Fake Ware. Die Einrichtungsleiter berichten, dass die psychische Belastung des Personals insgesamt zugenommen hat, aber dass man auch viel dazugelernt habe und routinierter sei. Mittlerweile sind umsetzbare Konzepte und Strategien im Falle eines Corona Ausbruchs vorhanden und man sei schnell handlungsfähig. Beide betonen die anhaltende Motivation sowie das eingebrachte Engagement ihres Personals in der Krise und beziehen die Reinigungskräfte ausdrücklich mit ein. Aber es müsse weiterhin – über die Krise hinaus – verstärkt die Arbeit des Pflegepersonals monitär als auch gesellschaftlich entsprechend gewürdigt werden. In den internen Krisenstäben der Pflegezentren wird daran gearbeitet, wie Personal motiviert u. gehalten werden kann.

Am Ende wurde noch ein optimistischer Ausblick in die Zukunft gewagt, verknüpft mit Forderungen an die Politik. Jochen Haußmann sieht die Befürchtungen der Gesundheitsminister Spahn und Lucha so nicht bestätigt. Die FDP will ein Pandemie Gesetz einbringen mit dem Ziel, das Parlament stärker einzubinden. Am 04. April wurde die Höchstzahl täglicher Infektionen in Baden-Württemberg erhoben. Die Zahlen würden jedoch sinken. Er fordert daher weitere Lockerungen unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, mehr Öffnung im Alltag u. gleichzeitig mehr Testung (Antikörpertests) in sensiblen Bereichen und für vulnerable Gruppen. Antikörpertests sind als Kassenleistung zugelassen, so Kai Sonntag.

Ziel sei u.a.

  • der Aufbau und die Aufrechterhaltung der Produktion von Schutzausrüstung im Land zu stärken
  • Zertifizierungsprozesse zu beschleunigen und weniger Bürokratie sowie
  • stabile Dauerlösungen zur Freihaltung von Bettenkapazitäten in Pflegeeinrichtungen zu etablieren.

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