FDP-Stammtisch in Sexau: FDP sieht ÖPNV vor großen Herausforderungen

Personennahverkehr – Mobilität und Verkehrsvernetzung der Zukunft

Wachsender Verkehr und ehrgeizige Klimaschutzziele stellen den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor große Herausforderungen, so das Resümee des FDP-Ortsverbandes Denzlingen-Waldkirch-Sexau, der zum Liberalen Stammtisch am 25.01.2018 in Sexau (Pizzeria „Zum Waldhorn“) eingeladen hatte.

Das Mobilitätsverhalten der Menschen verändere sich und gerade die junge Generation nutze verschiedene Verkehrsmittel sehr pragmatisch, wobei das Smartphone als zentrales Organisationsmittel diene. Bahnen, Busse, Car- und Bikesharing wie Rufbusse oder Sammeltaxis würden nach Bedarf miteinander kombiniert. Allerdings seien diese Möglichkeiten bislang zumeist auf die städtischen Ballungsräume beschränkt und fehlten noch im ländlichen Raum. Seit 20 Jahren wachse der ÖPNV in Deutschland ununterbrochen und dies sei zur Erreichung der Klimaschutzziele auch dringend erforderlich, wurde im einführenden Referat des Ortsverbandes durch Stefan Nolte (Waldkirch) deutlich gemacht. Denn eine weitere Zunahme werde auch im PKW-, insbesondere aber im LKW-Verkehr erwartet. Gleichzeitig sollen die CO²-Emmissionen aber bereits bis 2030 um 40% sinken – wie passt das zusammen?

Modernisierung, Digitalisierung und Vernetzung seien die wesentlichen Voraussetzungen für mehr Akzeptanz des ÖPNV. Sogenannte Mobilitäts-Apps, die Verkehrsträger vernetzen, bundesweit einheitlich zugänglich sind und damit Reiseplanung, Reservierung, Transport und Bezahlung ermöglichen, werden als Lösung für die Zukunft gesehen. Mit Hochdruck arbeiteten die Beförderungsunternehmen an einer eigenen Anwendung, um nicht den „digitalen Riesen“ (Google etc.) das Geschäft zu überlassen und nur noch als reine Transportdienstleister tätig zu sein. Die Entwicklung bei den Hotelportalen wurde hier als warnendes Beispiel genannt.

Sehr unterschiedlich sei die Qualität der aktuellen Verkehrsverbindungen in Denzlingen, Waldkirch und Sexau. Während Denzlingen, wo Parkplatzprobleme elementar sind, von guten Verbindungen an der Rheintalschiene sowie Anschlussbussen profitiert und Waldkirch dank S-Bahn und Bussen gut vernetzt ist, beschränkt sich das ÖPNV-Angebot in Sexau auf die Busanbindung, so Stefan Nolte. Diese sei in den Morgenstunden zu selten getaktet, insbesondere Richtung Denzlinger Bahnhof. Allerdings seien von Sexau aus die 3 Bahnhöfe Kollmarsreute, Buchholz und Denzlingen erreichbar; bei guter Witterung auch per Fahrrad. Zudem mache es Sinn, wenn auf dem Rückweg der stündliche Bus vom Bahnhof Denzlingen Richtung Sexau einige Minuten später starten würde, da viele Bürger von Freiburg aus statt der S-Bahn die schnelleren RB 17er nähmen und den Bus somit knapp verpassten, erläuterte FDP-Ortssprecher Christoph Zilz.

In einer lebendigen Diskussion wurden neben der Bedeutung des ÖPNV als gesamtgesellschaftlicher Aufgabe und als Standortfaktor für Wirtschaft und Gewerbe auch Möglichkeiten zur Optimierung und vereinfachten Nutzung vorgeschlagen. Die Ideen reichten von der vollständig kostenfreien Nutzung des Personennahverkehrs über Kombibusse (Personen- und Warentransport) bis zu Mitfahrmöglichkeiten per PKW im Nahbereich. Der FDP-Kreisvorsitzende Felix Fischer brachte auch erfolgreiche Modelle anderer Städte ins Spiel, wo durch eine deutliche Preisreduzierung die Akzeptanz des ÖPNV (Beispiel Wien: Jahresticket: EUR 365,-) deutlich gesteigert und die Kosten für Fahrkartenkontrollen in Bussen und Bahnen auf null reduziert werden konnten. Im Vergleich zum Auto stelle sich im ÖPNV nicht die Preisfrage, bemerkte Rainer Adolf, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes und Ortssprecher in Denzlingen. Der Waldkircher FDP-Ortssprecher André Hierholzer ergänzte: „Der Schülerverkehr soll kostenfrei gestellt werden, weil es sich hiermit um einen Teil des Bildungsauftrags handele.“

Als vorrangige Aufgabe wurde der zügige Ausbau der Elztalbahn genannt (Halbstundentakt, Elektrifizierung, modernes Wagenmaterial mit W-LAN); nicht zuletzt zur Reduzierung der CO²-Immissionen. Bei Realisierung der neuen L 186 mit Ortsumgehung von Sexau und Kollmarsreute sei die Einführung zusätzlicher Schnellbus-Verbindungen zwischen Emmendingen und Waldkirch wünschenswert, um die Fahrzeiten zwischen den Kreisstädten zu verkürzen. Vereinfachte und preisreduzierte Angebote bei Fahrten über mehrere Tarifzonen sollten gleichfalls angeboten werden.

Diese und andere Themen würden geprüft, um sie ggf. in Anträgen gegenüber dem Regio-Verkehrsverbund (RVF) bzw. dem Fahrgastbeirat vorzubringen.

Zum Abschluss betonte FDP-Kreisvorsitzender Felix Fischer, dass es gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, auch abgelegene, bevölkerungschwache Gegenden an den ÖPNV anzubinden. Andernfalls würden die Städte immer weiter wachsen und ländliche Regionen immer unattraktiver werden.


Neueste Nachrichten