Stationäre Apothekenversorgung muss erhalten bleiben

EMMENDINGEN. Auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß besuchte heute Vormittag der Präsident des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg, Fritz Becker die Stadtapotheke in Emmendingen. Gemeinsam mit Apothekerin Friederike Habighorst-Klemm und dem FDP-Bundestagskandidaten Felix Fischer diskutierten Becker und Weiß über die Notwendigkeit des Erhalts der Standortapotheken.

„Wir wollen im Interesse der Patienten gleiche Preisverhältnisse zwischen Versand- und Standortapotheken erreichen“, erläutert Fritz Becker die Position der Apothekerverbände.

Durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes sieht Becker diese Gleichbehandlung massiv bedroht. Folge dieses existenzgefährdenden Urteils könne ein Apothekensterben vor allem im ländlichen Raum sein. Während Standortapotheken der deutschen Medikamenten-Preisbindung unterlägen, könnten Versandapotheken, die fast ausschließlich vom europäischen Ausland aus operieren, durch bessere Verdienstmargen Medikamente günstiger anbieten. Standortapotheken stellten nicht nur die Akutversorgung mit Medikamenten sicher, sondern lieferten notwendige Arzneimittel auch an die Kunden aus. „Das tun nach Verbanderhebungen rund 99,4 Prozent aller Standortapotheken“, nennt Fritz Becker konkrete Zahlen. Nicht zu vergessen seien auch die Notdienste rund um die Uhr.

(v.l.n.r.:) FDP-Bundestagskandidat Felix Fischer, Landesapothekerpräsident Fritz Becker, Apothekerin Friederike Habighorst-Klemm und CDU-Bundestagsabgeordneter Peter Weiß

Beispielsweise stellen im Landkreis Emmendingen die Apotheken sicher, dass Patienten innerhalb eines Umkreises von 15 Kilometern rund um die Uhr ein benötigtes Medikament erhielten. „Das können Versandapotheken nicht leisten!“, stellt Fritz Becker einen Unterschied heraus. Problematisch sei auch, wenn gekühlte Medikamente geliefert werden müssten. “Eine Versanddauer von über 24 Stunden gewährleistet in den meisten Fällen nicht mehr eine ununterbrochene Kühlkette. Auf einen Hinweis aus dem Zuhörerkreis zur Rückerstattung der Rezeptgebühr durch Versandapotheken stellte der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß die Solidargemeinschaft ins Blickfeld. „Dabei handelt es sich um einen Individualrabatt für den Kunden. Das kann nicht im Sinne einer solidarischen Medizinversorgung sein“, argumentiert Weiß.

FDP-Kandidat Felix Fischer berichtete, dass sich die Landes-FDP derzeit Gedanken darüber mache, wie man für gleichberechtigte Verhältnisse sorgen könne. „Es geht ja nicht darum, den Standortapotheken Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, sondern darum, für fairen Wettbewerb zu sorgen“, erklärte Fischer.

Es gehe vor allem auch darum, dass die Apotheken vor Ort nicht nur noch für den Notfall da sein könnten und das lukrative Geschäft die Versender abgreifen, sind sich Apothekerin Friederike Habighorst-Klemm und Verbandspräsident Fritz Becker einig.

„Wir stellen auch individuelle Rezepturen her“, so Friederike Habighorst-Klemm. „Auch etwas, das der Versandhandel nicht leisten kann!“.

Mehrere, zumeist ältere Zuhörer sprachen sich deutlich für den Erhalt der stationären Apotheken aus. Wichtig sei dabei auch der persönliche Kontakt und das Vertrauen in die fachliche Beratung.

„Wir hoffen auf die Politik“, so Fritz Becker. Peter Weiß sieht als praktikable Lösung derzeit nur ein Verbot, apothekenpflichtige Medikamente per Internet zu vertreiben.

Fritz Becker warnte eindrücklich vor einem Apothekensterben. Derzeit sei die flächendeckende Versorgung in Deutschland noch gesichert. Im Landkreis Emmendingen bezeichnete Becker die Versorgung als gut. In Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern dagegen sei die Versorgung im ländlichen Raum bereits erheblich gefährdet. Der Stadtapotheke Emmendingen gehe es derzeit noch gut, erklärte Friederike Habighorst-Klemm. Der Anteil der rezeptpflichtigen Medikamente läge derzeit bei rund 60 Prozent des Umsatzes. Die individuellen Rezepturen lägen bei drei bis vier Prozent. Der Rest des Umsatzes läge bei den rezeptfreien aber apothekenpflichtigen Medikamenten und kosmetischen Produkten.

Friederike Habighorst-Klemm wies bei der Gelegenheit noch einmal auf die individuelle Beratung durch pharmazeutisches Personal hin. „Das ist auch ein Punkt, den nur stationäre Apotheken vor Ort leisten können!“, erklärt die Apothekerin.

Regiotrends vom 21. August 2017 (Jens Glade)


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