Ewald Rehm stellte seinen Hof in Reichenbach vor

Gewinnen mit Direktvermarktung: FDP-Vertreter informierten sich über Steillagen

LAHR-REICHENBACH. Die Erfahrungen mit der Direktvermarktung und Bewirtschaftung von Steilhängen waren beim Besuch der FDP-Vertreter von besonderem Interesse. Dr. Friedrich Bullinger, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Arbeitskreises Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, dessen Stellvertreter Klaus Hoher und Bundestagskandidat Felix Fischer trafen sich auf Einladung von Karl Silberer, Vizepräsident des Gesamtverbandes Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband (BLHV), in Reichenbach bei Ewald Rehm.

Betriebsleiter Rehm stellte seinen Betrieb vor, der aus dem elterlichen Hof am Schönberg hervorging. Er umfasst heute 90 Hektar Land im näheren Umkreis, so im Hörnlesgraben, in Prinzbach und Welschensteinach. Darunter befinden 35 Hektar Steillagen, die für jeden Landwirt eine besondere Herausforderung darstellen.

Ab 2005 ging Rehm zur Selbstvermarktung über. Sukzessive baute er seit 2011 seine Stallung auf Reichenbacher Gemarkung aus. Aufzucht, Mast und Schlachtung liegen in einer Hand. Die Aufzucht erfolgt nach dem Prinzip der Mutterkuhhaltung, die Aufzucht besteht aus Futter aus eigenem Anbau, die Schlachtung wird von eigenen Fachkräften stressfrei im Schlachthof im eigenen Ort durchgeführt. Zu seiner Kundschaft zählen der Metzgerei-Fachhandel, die Gastronomie sowie einige Moscheevereine in der näheren Umgebung.

Junior Thomas Rehm ergänzte seine Sicht der Sachlage für Landwirte und Bauern. Eine immer engmaschigere Bürokratie aus Brüssel, Berlin und Stuttgart beeinträchtige die Arbeit erheblich. Zur zeitintensiven und ermüdenden Arbeit komme ein kaum noch zu bewältigender schriftlicher Aufwand, dem ältere Landwirte und Bauern nicht mehr gewachsen seien und der die jüngeren abschrecke. Rehm sah in den teils widersinnigen Vorschriften ein Misstrauen der Staatsbürokraten zu den Bauern. Das mangelnde Vertrauensverhältnis zerstöre die Zusammenarbeit. Bürokratischer Unsinn zeige sich etwa darin, dass für den Schwarzwald mit seinen Steillagen Vorschriften gelten, wie sie vielleicht in der Norddeutschen Tiefebene eine gewisse Berechtigung haben, hier aber keinen Sinn ergeben.

Friedrich Bullinger erinnerte an die Tradition liberaler Politiker mit Landwirten. Es sei deren Devise, sich selbst ein Bild zu machen, mit den Bauern vor Ort im Gespräch zu bleiben und gewissermaßen »den Stallgeruch nicht zu verlieren«. Nur so könne eine bodenständige Landwirtschaftspolitik vernünftig umgesetzt werden. Natur und Landwirtschaft gehörten zusammen und bedingen einander.

Ökologie ist Eigentinteresse
Es sei unverständlich, dass die Landesregierung diese Positionen getrennt habe, statt sie zusammenzuführen. Die Problematik der Steillagen finde sich in allen Teilen des Landes, nicht nur im Schwarzwald.

Liberale Landwirtschaftspolitik stelle eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ins Zentrum der Überlegungen. Man sei überzeugt, dass sich ein Landwirt oder Bauer schon aus eigenem Interesse den Vorgaben der Ökologie nicht verschließe.

Baden online vom 12. Juni 2017/Alfons Vögele


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